Spielbericht – Erste Herren Rugby SV Odin vs. Rugby Ricklingen
Ich sag’s, wie es ist: Ich habe absolut keine Ahnung von Rugby. Wirklich gar keine. Null. Nada.
Aber vielleicht ist genau das meine Qualifikation für diesen Bericht – denn ich habe weniger auf Spielzüge geachtet und mehr auf das, was da eigentlich wirklich passiert ist.
Und Spoiler: Es war einiges.
Fangen wir vorne an.
Es regnete. Dieser typisch hannoversche „Warum tue ich mir das an?“-Regen.
Ich habe mich mehr als einmal gefragt, ob die Couch nicht die deutlich bessere Entscheidung gewesen wäre.
Aber gut – da stand ich nun.
Warum ich trotzdem da war?
- Weil man manchmal merkt, dass es um mehr geht als nur um Sport.
- Weil man neugierig ist.
- Weil man Leute anfeuern will, die sich freiwillig bei diesem Wetter auf den nassen Rasen werfen.
Und trotzdem: Viele Begeisterte da. Für beide Teams. Dick eingepackt, gute Laune, diese leicht trotzig-optimistische „Wir ziehen das jetzt durch“-Stimmung.
Dann ging’s los.
Und ich sag mal so: Ich habe mein Bestes gegeben, das Spiel zu verstehen.
Der Ball ist nicht rund (warum auch einfach?), wird konsequent nach hinten geworfen ??? und zwischendurch liegen plötzlich mehrere Spieler übereinander als eine art Turm .
Ich war mir nicht immer sicher, ob das ein geplanter Spielzug war oder einfach ein sehr dynamischer Gruppenkuschelmoment.
Ricklingen – Tabellenführer, wie ich gelernt habe – wirkte ziemlich eingespielt. Aber unsere Odin-Jungs haben sich davon überhaupt nicht beeindrucken lassen. Trotz heftigen Regen in der zweiten Halbzeit haben sie gekämpft, sich immer wieder aufgerappelt und dagegengehalten. Zur Halbzeit stand es 15:3 für Rugby Ricklingen, aber das Spiel fühlte sich enger an, als es das Ergebnis vermuten ließ. Und ja – ich bin natürlich für SV Odin In der zweiten Halbzeit wurde es dann richtig wild. Ich habe Dinge gesehen wie Spieler, die sich ineinander verkeilen, ein Ball, der plötzlich verschwindet und irgendwo wieder auftaucht, und Läufe, die vielversprechend starten und drei Sekunden später im Schlamm enden. Einmal dachte ich, jetzt passiert der große Durchbruch – alle rennen los, ich bin komplett drin – und dann wird der Ball einfach wieder nach hinten gespielt. Ich stand da nur und dachte: „Warum?! Ihr wart doch schon vorne!“ Aber eins habe ich verstanden: Es war ein hartes Spiel. Beide Mannschaften haben alles gegeben –bei teilweisen Dauerregen und vollem Körpereinsatz. Odin hat gekämpft, sich Chancen erarbeitet und bis zum Schluss nicht aufgegeben. Auch wenn ich nicht jede Situation verstanden habe, den Einsatz konnte man nicht übersehen. Dann noch die gelben Karten – ich habe gelernt: Das ist nichts Gutes. Und leider traf es Odin gleich mehrfach, unter anderem kurz vor Schluss. Am Ende blieb es beim 20:3 für Ricklingen.
Was ich allerdings verstanden habe:
Das war ein hartes Spiel. Beide Mannschaften haben alles gegeben. Wirklich alles.
Odin hat gekämpft, sich Chancen erarbeitet und bis zum Schluss nicht aufgegeben.
Aber ganz ehrlich:
Das Ergebnis erzählt nicht die ganze Geschichte. Trotz Regen standen die Leute zusammen, haben gelacht, geredet, Geschichten erzählt. Und eine davon hat mich wirklich erwischt:.
Günter (Rugby) und Rita (Korbball) - beide fast 90! - haben sich 1958 im Verein kennengelernt. Nach dem Training. Im Clubhaus. Beim Tanzen vor der Jukebox. Vermittelt von Spartenleiterin Ingrid – die offenbar nicht nur organisatorisch alles im Griff hatte, sondern auch ganz genau wusste, wer hier mal zusammengehört. Ganz normal damals. Heute sind die beiden seit 65 Jahren verheiratet. Ihre Kinder sind im Verein. Und inzwischen sogar die Enkelkinder.
Ich stand da und dachte:
Das ist es eigentlich. Nicht der Spielstand. Nicht die Tabelle. Sondern genau das hier.
Ich verstehe Rugby immer noch nicht wirklich. Wirklich nicht. Aber ich habe verstanden, worum es beim SV Odin geht:
Um Zusammenhalt. Um Geschichten, die bleiben.Um Menschen, die bleiben.
Und genau deshalb hat es sich absolut gelohnt, an diesem verregneten Tag nicht auf der Couch zu bleiben.
