Vom Rugbyfeld ins „Kugelchaos“: Mein Selbstversuch bei unserer Pétanque-Sparte
Für diesen Bericht habe ich mich allerdings auf völlig neues Terrain gewagt – und unsere Pétanque-Sparte auf dem Platz besucht.
Schon nach den ersten Minuten wurde mir klar: Das hier ist kein „Senioren-Kegeln im Freien“. Das ist eher Schach – nur mit Metallkugeln und deutlich mehr Diskussionen darüber, obman nah genug am Schweinchen liegt.
„Einfach werfen“ – Der größte Irrtum meines Tages
Mein erster, naiver Gedanke als Rugby-Schnittchen: Schweinchen sehen, Kugel werfen, fertig.
Der Reality-Check folgte prompt nach drei Minuten. Beim Pétanque geht ohne Physik gar nichts.
- Der richtige Winkel? Entscheidend.
- Der Untergrund? Extrem wichtig.
- Das Gefühl? Absolute Pflicht.
- Und Glück? Wird von den Profis zwar nie laut zugegeben, spielt aber offensichtlich eine verdammt große Hauptrolle.
Eine Sparte mit echter Odin-Geschichte
Unsere Pétanque-Abteilung hat richtig Charakter und Tradition.
Gegründet wurde sie bereits 1990 von Hilde und ihrem Mann Kalle, gemeinsam mit Hartmut.
Seitdem wird hier nicht nur gespielt, sondern gelebt, gefachsimpelt und gelegentlich auch freundlich darum gestritten, ob die Kugel jetzt wirklich drei Millimeter näher dran ist oder nicht.
Geleitet wird das Ganze von unserem Spartenleiter Wilfried. Er muss regelmäßig die ruhige Hand behalten, wenn die Kugeln emotionaler diskutiert werden als so manches Rugby-Duell an der Linie.
Wer es selbst ausprobieren will – trainiert wird zweimal die Woche:
- Mittwoch ab 16:00 Uhr
- Samstag ab 14:00 Uhr
Altersklasse: Von erfahren bis sehr erfahren
Was mich auf dem Platz wirklich begeistert hat, ist die Gemeinschaft. Hier spielt nicht „Jung gegen Alt“ oder „Anfänger gegen Profi“. Hier spielen einfach alle zusammen. Die Altersspanne reicht von Mitte 40 bis Mitte 80 – und niemand wirkt so, als würde er auch nur eine Sekunde ans Aufhören denken. Im Gegenteil: Manche machten den Eindruck, als hätten sie noch geheime Wurftechniken auf Lager, die sie taktisch nur bei Starkregen auspacken.
Der wahre MVP des Tages: Horst
Und jetzt zum wichtigsten Mann des Turniers. Jedes Team braucht seinen Matchwinner, und an diesem Tag war es ganz klar Horst. Er stand zwar nicht selbst auf dem Platz, hielt aber im Hintergrund die wichtigste Position: Horst hat sich wie immer um die Getränkeversorgung gekümmert. Sagen wir es wie es ist: Ohne seinen Einsatz wäre der Turnierverlauf vermutlich schon sehr früh „taktisch zusammengebrochen“.
Danke dir, Horst!
Der Klassiker: Wenn der Regen mitspielt
Am Ende war es dann allerdings nicht die Taktik, die über den Tag entschied, sondern der wahre Endgegner: das Wetter. Das Turnier musste leider abgebrochen werden. Schade – aber irgendwie passte es zum Experiment: Erst denkt man, man versteht den Sport so langsam… und dann beendet ihn einfach der Himmel.
Mein Fazit aus dem Kugel-Experiment
Ich bin mit der Erwartung hingegangen: „Das gucke ich mir mal kurz an.“ Gegangen bin ich mit dem Gefühl: Ich will definitiv mehr davon. Pétanque beim SV Odin ist kein ruhiger Kugelspaß für nebenbei. Es ist Präzision, Geduld, ein bisschen Psychospielchen und eine erstaunlich große Portion Humor.
Mein Wort zum Schluss: Ich komme wieder. Aber das nächste Mal mit etwas weniger Rugby-Attitüde und deutlich mehr Respekt vor der Kugel!
Podestplätze, zieht euch warm an!